Wahrnehmung der Lehre in Corona-Zeiten

Denkschrift 2021, Beitrag Nr. 23 (Kapitel 1410 bis 1421 und 1440 bis 1462)

Bedingt durch die Corona-Pandemie ergaben sich im Frühjahr 2020 für die Hochschulen in Baden-Württemberg neue Herausforderungen. Sie waren gezwungen, ihr Lehrangebot in kürzester Zeit anzupassen. Die Mehrzahl der ursprünglich als Präsenzlehre geplanten Lehrveranstaltungen musste in Online-Formate überführt werden. Auch für die vorgesehenen Prüfungen wurden neue Formate konzipiert und umgesetzt.

Der Rechnungshof hatte am Beispiel des Wintersemesters 2020/2021 erhoben, wie und in welchem Umfang die Universitäten und Hochschulen für angewandte Wissenschaften ihre Kernaufgaben der Lehre wahrgenommen haben. Hierzu hatte jede Hochschule dem Rechnungshof anhand eines strukturierten Fragebogens detailliert berichtet. Zudem hatte der Rechnungshof die Erfüllung der Lehrverpflichtung stichprobenhaft überprüft.

Nach Auswertung der Berichte der Universitäten und Hochschulen für angewandte Wissenschaften zeigte sich, dass durch eine nahezu flächendeckende Umstellung der angebotenen Veranstaltungsformate im Ergebnis 99 Prozent der in den Studienplänen vorgesehenen Lehrveranstaltungen und Prüfungen ordnungsgemäß angeboten werden konnten. Die vom Rechnungshof erhobene Stichprobe hatte die von den Universitäten und Hochschulen berichteten Zahlen und Fakten bestätigt.

Da es auch in Zukunft synchron oder asynchron erstellte Online-Lehrveranstaltungen geben wird, sprach sich der Rechnungshof dafür aus, die Lehrverpflichtungsverordnung entsprechend zu ergänzen. Zudem sollten die rechtlichen Vorgaben für die Durchführung von Online-Prüfungen evaluiert und gegebenenfalls weiterentwickelt werden.

Verbesserungspotenziale sah der Rechnungshof zudem insbesondere bei der Bereitstellung zentraler Hilfen zur Bewältigung technischer und datenschutzrechtlicher Probleme im Zusammenhang mit dem Einsatz der für die Online-Lehre verwendeten Software sowie bei der validen Dokumentation von Online-Lehrleistungen.

Parlamentarische Behandlung

Der Landtag hat die Landesregierung gebeten,

1. die rechtlichen Vorgaben für Online-Prüfungen gemeinsam mit den Hochschulen auf der Grundlage der gemachten Erfahrungen zu evaluieren und zu prüfen, ob diese weiterentwickelt werden können;

2. zu prüfen, ob die bestehenden Regelungen zur Anrechnung von Onlinelehre in der Lehrverpflichtungsverordnung die Anrechnung asynchroner Lehre hinreichend abbilden oder entsprechend zu ergänzen sind;

3. zu prüfen, ob den Universitäten und Hochschulen durch zentrale Serviceleistungen die Bewältigung technischer und datenschutzrechtlicher Probleme beim Einsatz von Videokonferenzsystemen, Lernplattformen und vergleichbarer Kommunikationssoftware erleichtert werden kann;

4. auf die Universitäten und Hochschulen für angewandte Wissenschaften mit dem Ziel einzuwirken,
a) die synchrone und asynchrone Erbringung von Online-Lehrleistungen durch die Lehrenden so dokumentieren zu lassen, dass eine nachträgliche Validierung der gemachten Angaben möglich ist
und
b) die Qualität insbesondere neuer Lehrformate auch künftig kritisch zu evaluieren und die Didaktik online erbrachter Lehre fundiert weiterzuentwickeln.

Reaktion der Landesregierung

Parlamentarische Erledigung

Der Beitrag ist noch nicht parlamentarisch erledigt. Die Landesregierung hat dem Landtag über das Veranlasste bis zum 31.12.2022 zu berichten.

Letzte Änderung dieses Artikels: 15.06.2022