Geothermische Anlagen in Landesgebäuden

Denkschrift 2016, Beitrag Nr. 22 (Kapitel 1208)

Seit 2000 investierte das Land 4 Mio. Euro in den Bau von 13 geothermischen Anlagen in Landesgebäuden. Der Rechnungshof prüfte die Baukosten sowie die Betriebskosten der letzten drei Jahre. Die fünf ältesten Anlagen waren Pilotprojekte an Universitäts- oder Forschungsstandorten. Bei diesen wurden geringere Anforderungen an die Wirtschaftlichkeit gestellt. Kein Projekt wurde bislang evaluiert.

Bei 11 von 13 Projekten wurden die geothermischen Anlagen zusätzlich zu anderen Wärmeversorgungsanlagen bzw. Fernwärmeanschlüssen eingebaut. Obwohl bereits eine ausreichende, kostengünstige Wärmeleistung zur Verfügung stand, wurden diese geothermischen Anlagen hinsichtlich der Wärmeleistung doppelt errichtet. Mit den zusätzlich aufgewendeten Investitionskosten erreichte man keine wesentliche Verbesserung für den Klimaschutz. Denn lediglich in drei Gebäuden verringerten die geothermischen Anlagen den Primärenergieverbrauch.

Für die 13 geothermischen Anlagen stellte der Rechnungshof eine Energiekosteneinsparung von 43.000 Euro je Jahr fest. Demgegenüber standen allerdings Mehraufwendungen von 53.000 Euro je Jahr (ohne Berücksichtigung der Kapitalkosten). Die Mehraufwendungen überstiegen die eingesparten Energiekosten. In den meisten Fällen war es daher wirtschaftlich, die Anlagen sofort außer Betrieb zu nehmen.

Bevor weitere geothermische Anlagen geplant bzw. errichtet werden, sollten die bestehenden Anlagen evaluiert werden. An Standorten mit Fernwärme bzw. Fernkälte sollte auf die Nutzung von Geothermie verzichtet werden.

Parlamentarische Behandlung

Der Landtag hat die Landesregierung gebeten, eine Einzelbewertung der bestehenden Anlagen zu veranlassen, um zu klären, welche geothermischen Anlagen optimiert oder außer Betrieb genommen werden sollen und enge Vorgaben in einem Leitfaden zu definieren, unter welchen Bedingungen geothermische Anlagen wirtschaftlich errichtet werden können.

Reaktion der Landesregierung

Die Landesregierung berichtet, sie habe die Hochschule Biberach mit einer Untersuchung aller Standorte beauftragt. Diese beinhalte Bestandsaufnahme, Mess- und Zählerkonzepte sowie Optimierungsmaßnahmen. Die letzte Phase dauere noch an. Unabhängig davon sei eine Anlage in Langenargen wegen mangelnder Wirtschaftlichkeit außer Betrieb genommen worden. Auch bei zwei weiteren Anlagen käme dies gegebenenfalls in Betracht. Alle weiteren zehn Anlagen könnten optimiert bzw. wirtschaftlich weiterbetrieben werden. Überdies erarbeite der Landesbetrieb derzeit einen Leitfaden für Geothermie. Das Ministerium sagte zu, den Leitfaden nach Fertigstellung in den Ausschuss einzubringen. Bezüglich der Vermeidung von Redundanzen bestätigt der Bericht, dass dort, wo Wärmenetze zur Verfügung stehen, eine Ergänzung mit geothermischen Anlagen nicht sinnvoll sei.

Parlamentarische Erledigung

Der Landtag hat den Bericht der Landesregierung zur Kenntnis genommen und das parlamentarische Verfahren am 09.11.2017 beendet.

Letzte Änderung dieses Artikels: 05.02.2018