Materialprüfungsanstalt in Stuttgart und Karlsruhe

Denkschrift 2017, Beitrag Nr. 20 (Kapitel 1417 und 1418)

Der Rechnungshof prüfte die Materialprüfungsanstalten der Universität Stuttgart (MPA Stuttgart) und des Karlsruher Instituts für Technologie (MPA Karlsruhe). Beide Einrichtungen haben die Aufgabe, Material-, Waren- und Sicherheitsprüfungen an Bau- und Werkstoffen, Bauteilen, Waren und Geräten aller Art vorzunehmen. Während die MPA Stuttgart als zentrale Einrichtung der Universität Stuttgart über 320 Mitarbeiter verfügte, waren der kleineren MPA Karlsruhe lediglich 47 Mitarbeiter zugeordnet.

Bei der Prüfung zeigte sich, dass beide Materialprüfungsanstalten ihre Kosten nicht durch die erzielten Entgelte und eingeworbenen Drittmittel decken konnten. So erreichte die MPA Stuttgart mit ihren Einnahmen nur einen Kostendeckungsgrad von 82 Prozent; bei der MPA Karlsruhe betrug die Deckungsquote lediglich 51 Prozent.

Die MPA Stuttgart sollte auf Aufgabenfelder verzichten, die seit Jahren regelmäßig Defizite erwirtschaften. Ein kaufmännischer Direktor, der ohne eigene wissenschaftliche Interessen nur der Wirtschaftlichkeit der Einrichtung verpflichtet ist, sollte eingesetzt werden. Mittelfristig sollten die beiden räumlich getrennten Teile der MPA an einem Ort auf dem Hochschulcampus in Stuttgart-Vaihingen zusammengeführt werden. Die MPA Karlsruhe sollte insbesondere Personalstellen, die keinen Deckungsbeitrag erwirtschaften, abbauen, alle Entgelte vollkostendeckend kalkulieren sowie ihre gesamten Einnahmemöglichkeiten realisieren.

Parlamentarische Behandlung

Der Landtag hat die Landesregierung gebeten, auf die Universität Stuttgart und das Karlsruher Institut für Technologie mit dem Ziel einzuwirken, die Materialprüfungsanstalten wirtschaftlich zu konsolidieren und die Organisation und Personalwirtschaft der Anstalten unter Berücksichtigung der Vorschläge des Rechnungshofs zu verbessern.

Reaktion der Landesregierung

Die Landesregierung hat mitgeteilt, dass an der MPA Stuttgart mehrere Maßnahmen zur wirtschaftlichen Konsolidierung eingeleitet worden seien. So habe die MPA in einigen Bereichen Umstrukturierungen von Arbeitsfeldern und der Ablauforganisation vorgenommen, der defizitäre Bereich „Dichtungstechnik“ sei ganz geschlossen worden. Neue Forschungsschwerpunkte wurden definiert. Im organisatorischen Bereich stehe die Optimierung des Forderungsmanagements im Vordergrund. So seien bereits Softwarelösungen umgesetzt worden, die den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern eine konkrete und zeitnahe Kostenkontrolle ermöglichten. Durch ein verändertes Auftragsinformationssystem sei das Auftragscontrolling deutlich erleichtert worden. Geplant seien weiter die Integration des Buchhaltungssystems in das der Universität Stuttgart und (langfristig) die räumliche Zusammenlegung der derzeit getrennt verorteten Teile der MPA Stuttgart. Seit 2019 würden über einen geplanten Zeitraum von vier Jahren Investitionen zur Modernisierung der technischen Infrastruktur der MPA Stuttgart durchgeführt. Außerdem sei eine betriebswirtschaftlich qualifizierte Verwaltungsleitung eingestellt worden. Zwischen 2016 und 2019 seien ca. 35 Vollzeitäquivalente sozialverträglich abgebaut worden und als weitere Maßnahme zur Produktivitätssteigerung werde derzeit intensiv an einer Reduzierung des hohen Overheads gearbeitet.

Zur angestrebten wirtschaftlichen Konsolidierung der MPA Karlsruhe seien die Preise für Personal und Geräte in Zusammenarbeit mit dem Finanzmanagement des KIT (FIMA) auf Basis einer Vollkostenrechnung neu kalkuliert worden. Die Preise müssten stets nachvollziehbar angewandt werden. Es würden keine Angebote unter Marktpreisen unterbreitet. Die Angebotssummen lägen mindestens auf Höhe der Vollkostenkalkulation. Preisnachlässe bzw. Rabatte würden nicht gewährt.

Außerdem habe die MPA ein neues zentrales Projektcontrolling von der Angebotserstellung bis zur Rechnungsstellung eingeführt. Die Rechnungserstellung erfolge zeitnah. Personalkosten würden unter Berücksichtigung der Personalkategorie korrekt abgerechnet. Die Rechnungsstellung erfolge in zwei Schritten. Die MPA erstelle eine Kostenzusammenstellung und das FIMA des KIT erstelle auf dieser Basis die Rechnung. Rechnungsversand sowie auch das Forderungsmanagement erfolgen somit zentral durch das FIMA.

Die Organisationsstruktur der MPA als eigenständige Organisationseinheit sei aufgehoben und in die Professur für Bautechnologie integriert worden. Der Personalbestand sei seit 2016 von 62 auf 54 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter reduziert worden.

Parlamentarische Erledigung

Der Beitrag ist noch nicht parlamentarisch erledigt. Die Landesregierung hat dem Landtag bis zum 31.12.2021 erneut zu berichten.

Letzte Änderung dieses Artikels: 09.02.2021