Universität Heidelberg - Fakultät für Physik und Astronomie: Anwendung des Fakultätsdeputats

Denkschrift 2017, Beitrag Nr. 19 (Kapitel 1412)

In Artikel 15 des Gesetzes zur Umsetzung der Föderalismusreform im Hochschulbereich vom 20.11.2007 hat der Landesgesetzgeber die Möglichkeit geschaffen, dass einzelne Fakultäten mit Genehmigung des Wissenschaftsministeriums anstelle individueller Lehrverpflichtungen ein kollektives Fakultätsdeputat vorsehen können. Die Lehrverpflichtung gilt in diesem Falle als erfüllt, wenn die einzelnen Gruppen von Lehrpersonen (Professoren, unbefristet beschäftigte Akademische Mitarbeiter, befristet beschäftigte Akademische Mitarbeiter) in Summe das von der Lehrverpflichtungsverordnung (LVVO) geforderte Deputat erbringen. Dazu werden die für die einzelnen Lehrpersonen normierten Lehrverpflichtungen und die von ihnen erbrachten Lehrleistungen addiert. Von dieser Experimentierklausel machte in Baden-Württemberg nur die Fakultät für Physik und Astronomie der Universität Heidelberg Gebrauch.

Die Prüfung des Rechnungshofs ergab, dass die Fakultät für Physik und Astronomie im Großen und Ganzen verantwortlich mit den durch die Experimentierklausel gegebenen Möglichkeiten umging. Beanstandungen ergaben sich im Wesentlichen nur bei der Wahrnehmung der Lehre durch die unbefristet beschäftigten akademischen Mitarbeiter.

Die Erfahrungen an der Fakultät zeigten, dass die Möglichkeiten eines kollektiven Lehrdeputats verantwortlich und sachgerecht genutzt werden können und sich ein kollektives Lehrdeputat für große, homogene Fakultäten eignet. Der Rechnungshof empfahl allerdings, bei unbefristet beschäftigten akademischen Mitarbeitern am System der individuellen Lehrverpflichtung festzuhalten und diese nicht nur in Höhe der Mindestlehrverpflichtung nach der LVVO festzusetzen.

Parlamentarische Behandlung

Der Landtag hat die Landesregierung gebeten, bei der künftigen Genehmigung von Fakultätsdeputaten die Empfehlungen des Rechnungshofs zu beachten und auf die Universität Heidelberg mit dem Ziel einzuwirken, dass künftig alle unbefristet beschäftigten akademischen Mitarbeiter der Fakultät für Physik und Astronomie die von der Lehrverpflichtungsverordnung geforderte Lehrverpflichtung erbringen.

Reaktion der Landesregierung

Die Landesregierung hat mitgeteilt, dass sie die wesentlichen Empfehlungen des Rechnungshofs als Voraussetzungen für die Genehmigung eines Fakultätsdeputats auch an anderen Hochschulen mittrage. Dazu gehöre u. a., dass die antragstellende Fakultät mindestens 25 Professoren habe und eine fachliche Homogenität ausweise, sie in der Vergangenheit nicht durch Minderleistungen in der Lehre in Erscheinung getreten sei, die Vorgaben der LVVO eingehalten würden und die Genehmigung zunächst nur befristet mit Verlängerungsoption nach einer Evaluierung erteilt werde.

Die Universität Heidelberg habe an der Fakultät für Physik die Monita des Rechnungshofs behoben. Defizite in der Lehrleistung seien behoben und sämtliche Dienstaufgabenbeschreibungen unbefristet beschäftigter akademischer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter angepasst worden. Dabei habe sich im Wintersemester 2017/2018 eine durchschnittliche Lehrverpflichtung von sechs Semesterwochenstunden ergeben. Die kollektive Lehrverpflichtung dieser Lehrgruppe sei damit übererfüllt worden.

Parlamentarische Erledigung

Der Landtag hat den Bericht der Landesregierung zur Kenntnis genommen und das parlamentarische Verfahren am 21.02.2019 beendet.

Bewertung Zielerreichung

Die Empfehlungen des Rechnungshofs wurden nahezu vollständig umgesetzt.

Letzte Änderung dieses Artikels: 21.10.2019