Haushalts- und Wirtschaftsführung der Institute für Anatomie und Zellbiologie der Medizinischen Fakultäten an den Universitäten des Landes

Denkschrift 2017, Beitrag Nr. 17 (Kapitel 1410, 1412, 1415 und 1421)

Die anatomischen Institute an den Medizinischen Fakultäten des Landes sind Zentren der anatomischen Forschung und nehmen in der vorklinischen Ausbildung der Medizinstudenten eine zentrale Aufgabe wahr.

Der Rechnungshof hatte 2015/2016 die Anatomischen Institute in Freiburg, Heidelberg, Tübingen und Ulm geprüft. Schwerpunkt der Prüfung waren die Haushalts- und Wirtschaftsführung und der Umgang mit den Körperspenden. Die Prüfung ergab, dass alle vier anatomischen Institute mit den Körpern Verstorbener sorgfältig, respektvoll und juristisch korrekt umgehen. Dabei kam dem Einsatz der Körperspenden in der ärztlichen Weiterbildung eine wachsende Bedeutung zu.

Kleinere Beanstandungen im Bereich der Haushalts- und Wirtschaftsführung wurden während der Prüfung erledigt.

Der Rechnungshof forderte das Wissenschaftsministerium und die Medizinischen Fakultäten auf, eine Strategie zu entwickeln, um das Fach Anatomie auch künftig für den wissenschaftlichen Nachwuchs attraktiv zu halten.

Parlamentarische Behandlung

Der Landtag hat die Landesregierung gebeten, gemeinsam mit den Medizinischen Fakultäten Maßnahmen zur Steigerung der Attraktivität des Faches Anatomie für den wissenschaftlichen Nachwuchs zu erarbeiten und dabei insbesondere auch Maßnahmen in den Blick zu nehmen, bei denen nicht nur finanzielle Gesichtspunkte maßgeblich sind. Des Weiteren sollte auf die Medizinischen Fakultäten mit dem Ziel eingewirkt werden, bei der Ausbildung junger Mediziner und bei der Weiterbildung von Ärzten auch in Zukunft auf Körperspenden Verstorbener zurückzugreifen. Mit diesen Körperspenden sollte auch in Zukunft korrekt und respektvoll umgangen werden. Auf die Erhebung von Gebühren für die Annahme von Körperspenden sollte bis auf weiteres verzichtet werden. Ferner sollten bei Weiterbildungsangeboten der Fakultäten vollkostendeckende Entgelte erhoben und nach Möglichkeit Deckungsbeiträge für Forschung und Lehre erwirtschaftet werden.

Reaktion der Landesregierung

Die Landesregierung hat berichtet, die Medizinischen Fakultäten würden einen höheren Medizineranteil in den vorklinischen Instituten begrüßen. Allerdings lägen die dazu notwendigen Änderungen (Kapazitätsrecht, Tarifrecht, Approbationsordnung) nicht in der Zuständigkeit des Landes.

Körperspenden würden durch die Medizinischen Fakultäten weiterhin für die Aus- und Weiterbildung benötigt; die Einführung einer Gebühr sei nicht geplant.

Weiterbildungen würden kostendeckend angeboten und seien eine Unterstützung für Forschung und Lehre.

Parlamentarische Erledigung

Der Landtag hat den Bericht der Landesregierung zur Kenntnis genommen und das parlamentarische Verfahren am 21.02.2019 beendet.

Bewertung Zielerreichung

Die im Rahmen des Beitrags anregten Änderungen stießen auf eine positive Resonanz. Nach dem Bericht der Landesregierung müsste deren vollständige Umsetzung jedoch im Wesentlichen auf Bundesebene erfolgen, da Änderungen beim Medizinstudiengang nur in bundesweiter Abstimmung möglich seien.

Die in der Kompetenz des Landes liegenden Anregungen des Rechnungshofs (Verwendung von Körperspenden und kostendeckende Weiterbildungsmaßnahmen) wurden entsprechend umgesetzt.

Letzte Änderung dieses Artikels: 13.01.2020